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Die Wintersonnenwende und die Rauhnachtzeit
Einladung in die Tiefe – in die Stille – in den Ursprung Deiner inneren Mitte

klarer Nachthimmel mit Sternen, die sich in einem See spiegeln. Zeit der Wintersonnenwende und Rauhnächte<br />

Worum es in diesem Artikel geht

Die Wintersonnenwende – eine besondere Schwelle im Jahreskreis.

Der Artikel verbindet kulturelles Wissen, naturwissenschaftliche Einordnung und bewusstseinsorientierte Wahrnehmung. Er lädt dazu ein, die Zeit zwischen Samhain und den Rauhnächten als Phase innerer Ordnung, Sammlung und Rückbindung zu verstehen.

Lesezeit ca. 8 Minuten

​Die längste Nacht des Jahres –
ein stiller Wendepunkt

Die Wintersonnenwende markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres.
Astronomisch steht die Sonne an diesem Punkt am tiefsten über dem Horizont.
Auf der Nordhalbkugel fällt dieser Moment in der Regel auf den 21. oder 22. Dezember.

Von hier an werden die Tage wieder länger.
Nicht spürbar und nicht sofort.
Eher wie ein inneres Versprechen, das noch im Dunkel ruht.

Seit jeher wurde dieser Moment als Schwelle zwischen Licht und Dunkelheit verstanden.

Nicht als ein Aufbruch.
Und noch nicht als der eigentliche Neubeginn.
Sondern eher als ein Innehalten im Übergang.

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​Alte Kulturen und das Wissen um die Schwelle

Dass die Wintersonnenwende eine besondere Bedeutung hatte, ist kein romantischer Rückblick.
Es ist kulturgeschichtlich gut belegt.

In der keltischen Welt war dieser Tag als Alban Arthan bekannt – das „Licht des Winters“.
Astronomische Beobachtungen jener Zeit dienten dabei nicht nur spirituellen Deutungen, sondern ganz praktischen Zwecken: der Orientierung im Jahreslauf, der Planung landwirtschaftlicher Tätigkeiten und dem sorgsamen Umgang mit Vorräten.

Auch archäologische Zeugnisse verweisen auf diesen Übergangscharakter.
Monumente wie Newgrange in Irland oder Stonehenge in England sind so ausgerichtet, dass das Licht der Wintersonnenwende gezielt in ihre inneren Räume fällt.
Sie markieren Orte zwischen Licht und Dunkel, Aktivität und Rückzug.

Ähnliche Vorstellungen finden sich weltweit:
in altägyptischen Tempelanlagen, in der germanischen Mutternacht (Modranecht), im angelsächsischen Midwinter (Yule, Jul-Fest).

All diese Traditionen verbindet kein einheitliches Ritual.
Sondern ein gemeinsames Verständnis:

Die Wintersonnenwende nicht als Fest des Tuns,
sondern als Moment der Sammlung. Eine Ehrung der Rückkehr des Lichts.

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​Warum die Wintersonnenwende heute wieder
an Bedeutung gewinnt

In einer Zeit permanenter Erreichbarkeit, künstlicher Beleuchtung und beschleunigter Rhythmen wächst das Bedürfnis nach innerer Ordnung.
Nicht aus nostalgischen Gründen oder Erinnerungen heraus, sondern aus Notwendigkeit.

Der Jahreslauf setzt auch heute nach wie vor klare Marker.
Die Phase rund um die Wintersonnenwende ist der Punkt geringster Tageshelligkeit auf der Nordhalbkugel.

Ein objektiver Einschnitt, auf den Körper und Wahrnehmung reagieren.

Ganz natürlich zeigt das Energiefeld Zeichen, die auf eine Rückzugsphase hinweisen. Wie auf den Moment zwischen zwei Atemzügen.

Heute wissen wir, dass Zeiten reduzierter Reizdichte nicht gleichbedeutend mit Leere sind.
Solche Zeiten aktivieren andere Formen der inneren Verarbeitung im Gehirn, der Selbstwahrnehmung und der Integration von Erfahrungen.

So wirkt die Wintersonnenwende nicht nur symbolisch.
Sie wirkt körperlich, seelisch und energetisch. Als der natürliche Moment, in dem vieles stiller in uns werden darf.

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Wenn das Alte still wird – zur Zeitqualität

Viele Menschen nehmen in den Tagen vor der Wintersonnenwende eine besondere energetische Verdichtung wahr.

Träume werden intensiver.
Alte Themen treten wieder ins Bewusstsein.
Entscheidungen wollen überprüft werden.
Der Körper verlangt nach Ruhe.
Die innere Wahrnehmung wird feiner.

Diese Erfahrungen sind kein Zeichen von Rückschritt.
Sie sind Ausdruck einer veränderten inneren Aufmerksamkeit.

Wenn die äußere Welt dunkler wird, richtet sich der Blick nach innen.
Nicht erzwungen.
Nicht geplant.
Sondern als natürliche Bewegung.

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Wintersonnenwende und Rauhnächte –
ein Raum außerhalb der Ordnung

Traditionell beginnt mit der Wintersonnenwende jene Schwellenzeit, die später als Rauhnächte bezeichnet wurde.
Heute lässt man sie zumeist am 24. Dezember beginnen. Doch ihr Ursprung liegt tiefer im Jahreskreis, jenseits des Kalenders.

Die zwölf Nächte zwischen den Jahren galten als Zeit außerhalb der gewohnten Ordnung.

Und oft braucht unser Bewusstsein noch mehr als 12 Tage, um sich neu zu sortieren und energetische Veränderungen zu integrieren.

In den Rauhnächten zeigen sich häufig:

  • Intensivere innere Bilder
  • Vorahnungen
  • Neue intuitive Impulse
  • Prozesse des Loslassens
  • erste Keime dessen, was sich im neuen Jahr weiterentwickeln möchte

Nicht als fertige Vision.
Sondern als leise Ahnung.

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Die Wintersonnenwende und Deine innere Mitte

Wenn das äußere Licht seinen tiefsten Punkt erreicht, wird die innere Ausrichtung entscheidend.

Die Wintersonnenwende erinnert daran,
dass innere Mitte kein Ziel ist,
sondern ein Zustand von Präsenz und Orientierung.

Es ist keine Zeit des Tuns.
Es ist eine Zeit des bewussten Seins.

Eine Zeit, in der sich zeigt, was trägt –
und was gehen darf.

Hier beginnt kein neuer Weg.
Hier ordnet sich der innere Kompass neu.

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Ein Raum für die Rauhnächte

Für diese Schwellenzeit habe ich einen Online-Rauhnächte-Kalender gestaltet,
der alte Überlieferungen mit einer bewusstseinsorientierten Tiefe verbindet.

Jede Nacht öffnet einen Resonanzraum –
in Verbindung mit den 13 Monden des kommenden Jahres.

Du erhältst:

  • einen Impulstext zur jeweiligen Mondqualität
  • drei Reflexionsfragen
  • einen kleinen Ritualhinweis
  • eine traditionelle Zuordnung aus alten Überlieferungen

Kein Kurs.
Kein Müssen.
Ein Raum, in dem Du Deinem eigenen Rhythmus folgen kannst.

(Hinweis: Die Anmeldung ist jeweils bis zum 30.12. möglich.)

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Die längste Nacht – Raum für Trauer

Für manche Menschen ist die Zeit um Weihnachten besonders schwer.
Verlust, Trauer oder tiefe Erschöpfung stehen im Vordergrund.

In verschiedenen christlichen Gemeinden haben sich deshalb sogenannte
Blue-Christmas- oder Longest-Night-Andachten etabliert.
Sie finden bewusst um die Wintersonnenwende statt – als Raum für das, was nicht gefeiert werden kann.

Auch das gehört zur Wahrheit dieser Schwelle.

Mit einem stillen Gruß aus der Mitte

Claudia

Quellen:

¹ Chronobiologie & Lichtverhältnisse
Rohan, K. J. et al. (2009). Seasonal Affective Disorder: An Overview.
National Center for Biotechnology Information (NCBI).

Wehr, T. A. (1991). Photoperiodism in Humans.
Journal of Biological Rhythms.

² Ruhe, Stille & neuronale Verarbeitung
Raichle, M. E. et al. (2001). A default mode of brain function.
Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).

³ Licht, Melatonin & physiologische Rhythmen
Brainard, G. C., & Hanifin, J. P. (2005). Photons, clocks, and consciousness.
Journal of Biological Rhythms.

Weitere:

Winter-Solstice – Wikipedia

Wolf-Dieter Storl: Die Magie der Sonnenwenden, 2024

Ronald Hutton: Stations of the Sun. A History of the Ritual Year in Britain, 2001

© Claudia von der Wehd
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Er ersetzt keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung.

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese weiten und tiefen Worte zur Schwelle, gerne gelesen und gefühlt. Habe die Ehre.

    Antworten
    • Liebe Mirsada,
      ich danke Dir von Herzen für Deine Worte und für Dein Sein und Wirken. 🙏💜

      Antworten

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